Die evangelische Auferstehungskirche Oberviechtach stellt den Mittelpunkt einer weitläufigen Diasporagemeinde dar: auf beinahe 300 Quadratkilometern im Osten der Autobahn A 93 Regensburg-Hof bis direkt an die tschechische Grenze umfaßt sie das Gebiet des ehemaligen Landkreises Oberviechtach mit vielen Gemeinden und Dörfern und den Städten Oberviechtach und Schönsee als Kleinzentren. Noch 1927 waren hierzulande nur 77 Evangelische zu verzeichnen bei 14810 Katholiken – in einem Gebiet, das während der Reformationszeit schon frühzeitig dem lutherischen Bekenntnis angehangen hatte! Doch schon infolge der Gegenreformation wurde es wieder fast vollständig katholisch. Ab 1945/46 dann stieg die Zahl der Evangelischen durch die Flüchtlinge aus dem Osten, z.B. Schlesier, sprunghaft auf 1000 an. Evangelische Flüchtlingspfarrer hielten Gottesdienste in der hiesigen Friedhofskapelle, in katholischen Kirchen, in Wirtshäusern und Schulen der Umgebung. Zuerst von der Muttergemeinde Schwandorf, dann von deren Tochtergemeinde Nabburg aus wurden die Evangelischen auch von deren Ortspfarrern und Vikaren jahrelang mit betreut. Nachdem Oberviechtach 1961 Garnisonsstadt geworden war, verstärkten zahlreiche evangelische Soldaten die kleine Gemeinde vor allem an ihrem Hauptort hier. Nicht zuletzt deswegen wurde die Kirchengemeinde schließlich von Nabburg losgelöst und selbständig – und der seit 1957 hier zunächst als exponierter Vikar, dann als erster Pfarrer auf der neuerrichteten Pfarrstelle wirkende Hans Martin Gloél erreichte die Zustimmung der Landeskirche zum Bau eines Gemeindezentrums. Am 4. November 1962 wurde der Grundstein für das Gotteshaus gelegt. Nachdem schon vorher das Pfarrhaus und der Gemeindesaal fertiggestellt waren, konnte schließlich am 27. September 1964 die Auferstehungskirche für den Gebrauch der Kirchengemeinde und ihrer Gäste eingeweiht werden - und nicht zuletzt auch als Standortkirche für die Bundeswehr; auch Soldaten hatten am Bau geholfen ! Den Besucher erwartet heute an der Kreuzung von Muracher und Martin-Luther-Straße, gleich beim Schulzentrum, in eine Grünanlage eingebettet, ein architektonisch ansprechendes Kirchenbauwerk. Mit dem schlanken Kirchturm, der wie ein Zeigefinger in den Himmel ragt, lädt es dazu ein, auch die Vertikale, die Beziehung zu Gott, in der Breite und Hektik des modernen Lebens nicht verkümmern zu lassen.
Eine kleine Eingangshalle, die den Gemeindesaal mit dem Kirchenraum verbindet, nimmt den Ankömmling zuerst auf.Beim Betreten der Kirche, die auf einen Entwurf des Münchner Architekten Olaf Andreas Gulbransson zurückgeht,fällt der Blick zuerst auf den Altarraum und die dahinter zur Decke aufstrebenden schmalen, hohen Glasfenster. Sie veranschaulichen den Einbruch des Osterlichts in die von Leid und Dunkelheit gezeichnete Welt und können gleichzeitig Ausblick werden für das Ziel der Ewigkeit Gottes, auf das die Gemeinde Zeit ihres Lebens zugeht.
Der zusammen mit der Kanzel auf einem Sockel errichtete Altar bildet, von den Fenstern aus gesehen, eine Linie zum Taufstein und dem Mittelblock der Bänke. „Gemeinde unterwegs“ könnte auch hier das Thema dieser Konzeption genannt werden: sie beschreibt von der Taufe an den Weg des Christen, der immer wieder Station macht in den Versammlungen der Gemeinde, um auf Gottes Wort zu hören und sich von der Feier des Heiligen Abendmahls stärken zu lassen - und dabei immer weiter der neuen Welt entgegen zieht, die Gott verheißen hat. Auch das zeltartige, mit Holz verschlagene Dach des Gotteshauses mag den Betrachter an diese Thematik verstärkt erinnern. In dem mit schmalen Fliesen ausgelegten Altarraum heben sich Altar, Kanzel und Taufstein in besonderer Weise ab. Das vom damaligen evangelischen Militärbischof gestiftete, in Bronze gefertigte Altarkreuz trägt in der Mitte einen Bergkristall als Hinweis auf die Kostbarkeit der im Kreuz Jesu sichtbar werdenden Liebe Gottes. Leuchter, Buchauflage, Kanzelschild und Lesepult sind ebenfalls Bronzearbeiten eines Taufkirchner Goldschmiedes. Vorn an der linken Altarwand leuchtet die Menora, der siebenarmige Leuchter aus der jüdischen Glaubenstradition. Darüber sind die beiden Gebotstafeln stilisiert, sowie der Davidstern und (in hebräischen Buchstaben) das Wort „Shalom“ (Friede) zu erkennen. Nach einem Entwurf von Lothar Karl Joppien, der als zweiter Oberviechtacher Gemeindepfarrer hier von 1975 bis 1991 segensreich wirkte, fertigte die Oberviechtacher Bau- und Kunstschlosserei Gürtler diese Eisenschmiedearbeiten an, die dem Betrachter vor Augen führen, wie unwiderruflich die christliche Kirche im Alten Bund Gottes mit dem Volk Israel verwurzelt ist. Die Orgel der Auferstehungskirche befindet sich im rückwärtigen Teil des Gotteshauses auf einer aus Beton erstellten, fast schwebend wirkenden Empore. Sie wurde von der Orgelbaufirma E. Simon aus Landshut als mechanische Schleifladenorgel mit dreizehn klingenden Registern gefertigt. Zwischen Spieltisch und Orgelwerk ist der angestammte Platz für unseren Posaunenchor, der mit seiner Musik an zahlreichen Sonn- und Feiertagen im Jahr die lobende Gemeinde unterstützt und erfreut mit Chorälen und alter und neuer Bläsermusik – und damit Gott dient, nach dem Wahlspruch der Posaunenchöre: „Gott loben, das ist unser Amt !“ Vier Glocken bilden das Geläut der Auferstehungskirche: Christusglocke, Gebetsglocke, Taufglocke und Auferstehungsglocke, von hochherzigen Mitchristen der Kirchengemeinde gespendet, wurden von einer Erdinger Glockengießerei gefertigt. Klang und Ton wurden seinerzeit bewusst harmonisch abgestimmt auf das Geläut der alteingesessenen katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes. So rufen diese Glocken nun schon viele Jahre Kinder und Erwachsene, Familien und Soldaten zu Gottesdiensten verschiedenster Art und laden ein, bei fröhlichen und traurigen Anlässen Gottes Wort zu hören. Immer wieder geschieht dies auch in Gemeinschaft mit den katholischen Mitchristen, und die Ökumene am Ort und in der Region ist gekennzeichnet vom guten Kontakt des einen evangelischen zu immerhin acht katholischen Geistlichen und von einer Bevölkerung, für die die Evangelische Kirche heute zum kirchlichen und gesellschaftlichen Leben dazu gehört und nichts mehr „Exotisches“ ist. In unserem Außenort Schönsee spiegelt sich das z.B. dadurch wieder, dass wir unsere Gottesdienste, die jeden 2. und 4. Sonntag im Monat stattfinden, in der Kapelle neben der Pfarrkirche St. Wenzeslaus feiern. Die kath. Pfarrei, Besitzer der Kapelle, ermöglicht uns dies und wir freuen uns über die ökumenische Gastfreundschaft. In diesem Sinne wollen die Auferstehungskirche und die Kirchengemeinde Oberviechtach-Schönsee als evangelisches Element ein Stück Ergänzung und Bereicherung für das deutlich katholisch geprägte Umland sein, der „versöhnten Verschiedenheit“ unter den christlichen Konfessionen dienen und für alle Gäste offen stehen. Daran ist - nach Pfarrer Hans-Joachim Nolda (1992-1999) - mit Pfarrer Leander Sünkel (seit März 2000) nun dem (bereits oder erst ?) vierten evangelischen Seelsorger auf der selbständigen Pfarrstelle Oberviechtach sehr gelegen und die aktiven Damen und Herren des Kirchenvorstandes unterstützen tatkräftig. Nach wie vor sind wir hier eine mit aktuell etwa 850 evangelischen Gemeindegliedern recht kleine und weit zerstreute Kirchengemeinde, die mit ihrem Gemeindeleben aber eifrig Gott dem Herrn weiter dienen und ihm die Ehre geben möchte, genauso aber auch auf Seinen Schutz und Segen angewiesen bleibt - was die Güte unseres Gottes allen Mitgliedern und Gästen unserer Gemeinde und ihres Gotteshauses schenken möge.